Best Practice in der Pflege: Pflege aus der Ferne mittels Telecare sichern

Telecare ist eine der vier großen sogenannten Fokustechnologien, die im Rahmen medizinischer Zukunftstrends zum Beispiel unter den Schlagworten E-Health oder Pflege 4.0 diskutiert werden. Der Begriff Telecare beschreibt das Erbringen von Pflegeleistungen, die Diagnostik und die Behandlung durch Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unter Überbrückung von Distanz. Ein Arzt aus der Ferne, sozusagen. Uns interessieren heute die konkreten Potentiale und auch Risiken von Telecare. Was sagen Befürworter und Kritiker? Wo hakt es noch, wo bedarf es staatlicher Förderung oder Regulation?

Die Vor- und Nachteile von Telecare auf einem Blick
Das Team von BibliomedPflege hat es online auf seinen Seiten zum Thema “Pflege in Zeiten der Digitalisierung” prägnant zusammengefasst: “Durch Telecare könnte die Pflege als Beratungsleistung zukünftig in Teilen ortsunabhängig erfolgen. Sie bietet deshalb insbesondere in dünn besiedelten Gebieten Potenziale, falls die medizinisch-pflegerische Versorgung wohnortnah nicht mehr gewährleistet ist. Lange Anfahrtswege, insbesondere in der ambulanten Versorgung, würden dann entfallen, was gegebenenfalls Zeitersparnisse zur Folge hätte. Allerdings würde der persönliche Kontakt zu den Patienten und Pflegebedürftigen eingeschränkt und damit könnten wichtige Informationen, etwa aus nonverbaler Kommunikation, verloren gehen.”

Alles steht und fällt mit der Gesetzeslage rund um E-Health
Damit sich die Potentiale von E-Health allerdings erst richtig entfalten, mögliche Risiken kontrolliert und die Praxis ggf. reguliert werden können, braucht es eine eindeutige und neu angepasste Gesetzgebung. Längst hat die Bundesregierung erkannt, dass die Digitalisierung der Motor eines modernen und konkurrenzfähigen Gesundheitswesens ist. Entsprechend groß sind die Bemühungen mittels neuen Gesetzen für Infrastrukturen zu sorgen, die den Fortschritt fördern. Im Dezember trat zum Beispiel das E-Health Gesetz in Kraft. Im Fokus stehen sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen. Im E-Health Gesetz ist zu diesem Zwecke festgehalten worden, wie eine gute Telematikinfrastruktur aufgebaut werden kann. Die Bundesregierung macht deutlich, wie wichtig es ist, die Chancen der Digitalisierung für die Gesundheitsversorgung der Bundesrepublik zu nutzen und zwar unverzüglich. Auch, wenn die praktische Umsetzung seine Zeit braucht, so gibt das Gesetz den Akteuren  immerhin einiges an theoretischem “Handwerkszeug” mit. So lassen sich darin klare Vorgaben und auch Fristen zur Implementierung ausgewählter Maßnahmen finden, die bei Nichteinhaltung teils sogar Sanktionen verbunden sind. Doch was ist eigentlich zu tun? Werfen wir doch mal einen Blick darauf.

Das sind die Schwerpunkte des E-Health Gesetzes
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat auf seinen Seiten die folgenden Schwerpunkte der Regelungen im E-Health Gesetz niedergeschrieben:

  • “Anreize schaffen für die zügige Einführung und Nutzung medizinischer Anwendungen (modernes Versichertenstammdatenmanagement, Notfalldaten, elektronischer Arztbrief und einheitlicher Medikationsplan)
  • ​Telematikinfrastruktur öffnen und perspektivisch als die maßgebliche und sichere Infrastruktur für das deutsche Gesundheitswesen entwickeln
  • Erstellung eines Interoperabilitätsverzeichnisses zur Verbesserung der Kommunikation verschiedener IT-Systeme im Gesundheitswesen
  • ​Förderung telemedizinischer Leistungen (Online-Videosprechstunde, sog. telekonsiliarische Befundbeurteilung von Röntgenaufnahmen)”

​Noch lässt die Revolution auf sich warten
Bei aller Vorbereitung, dauert es, bis die Digitalisierung in Gänze auf den Fluren der deutschen Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen angekommen ist. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Einerseits müssen die neuen Technologien und Abläufe vom Personal erlernt werden. Schulungen und praktische Testphasen brauchen ihre Zeit. Zeit, ein bekanntlich knappes Gut in der Gesundheits- und Pflegebranche. Darüber hinaus müssen große Fragen zum Datenschutz geklärt werden. Dabei handelt es sich um komplexe und zähe Debatten, die aber geführt werden müssen, um allen Beteiligten gerecht zu werden.

Hinzu verzettelt sich die Branche etwas durch parallel laufende Projekte und Initiativen zum Thema E-Health. Das Problem ist dann, dass regionale Lösungen geschaffen werden, die aber nicht allgemein gültig nutzbar sind. Auch ist der Sprung vom Pilotprojekt, hin zur neuen Norm müßig und bürokratisch. Es gibt also noch viel zu tun. Wer smarte Technologie nutzen möchte, braucht zunächst eine smarte Organisation, um Neues in den Arbeitsalltag zu integrieren. Gespannt können wir also in die nächste Zeit schauen.

Wer sich bis dahin tiefer in das Thema einlesen möchte, dem legen wir nebst den bisher genannten Links auch diese Seite hier ans Herz: Rehacare.de: “Die Digitalisierung und die Chance für das Gesundheitswesen”

 

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