Best Practice in der Pflege: Eine außergewöhnliche Pflegekarriere einer außergewöhnlichen Frau

Sie erinnern sich vielleicht? In unserem letzten Blogbeitrag vom 26.07. haben wir uns angeschaut, worum es beim Deutschen Pflegepreis geht. In diesem Zusammenhang hatten wir unsere Aufmerksamkeit auf die diesjährige Preisträgerin gerichtet: Edith Kellnhauser. Nach der kompakten Erläuterung im letzten Blogpost, warum gerade sie sich für den renommierten Preis qualifizierte, wollen wir uns heute anschauen, wer Edith Kellnhauser genau war. (Frau Prof. Dr. Kellnhauser ist diesen Mai leider verstorben.)

Das bewegte Leben einer passionierten Wissenschaftlerin und Krankenschwester


Edith Kellnhauser wurde im Jahr 1933 in Wolkering geboren. Wolkering liegt südlich von Regensburg und damit im Bundesland Bayern. Frau Kellnhauser war eine bedeutende Pflegewissenschaftlerin, Hochschullehrerin sowie Publizistin. Ihre Ausbildung zur Krankenschwester hat sie in München absolviert. So war sie dort 1951 bis 1953 in einem Krankenhaus des Bayerischen Roten Kreuzes als Auszubildende aktiv, später war sie am RK-Krankenhausen (ebenfalls München) auf einer chirurgischen Station tätig. Es sollte nicht lange dauern, da hat Frau Kellnhauser im gleichen Krankenhaus die Leitung einer Privatstation der Frauenklinik übernommen. Diese Leitung hatte sie für zwei Jahre inne (1956-57).

Danach ging es für die junge Frau Kellnhauser nach London. Dort absolvierte sie am West Middlesex Hospital (London) ihr drittes Ausbildungsjahr zur examinierten Krankenschwester. Das Leben von Frau Kellnhauser muss ein bewegtes gewesen sein, denn sie lebte in den verschiedensten Teilen der Welt. Ab dem Jahr 1959 zog es sie in die USA, wo sie über 25 Jahre lang lebte. Unterbrochen wurde diese Zeit lediglich von einem dreijährigen Aufenthalt am Universitäts-Hospital in Alexandria. Auch in den USA wurde sie „State Registered Nurse“, nachdem sie drei Monate lang für eine Nachqualifizierung ihres Titels sorgte.

Frau Kellnhauser hat die verschiedensten Positionen innegehabt (Stationsschwester, Abteilungsschwester, Klinikoberschwester/ Stellvertretende Pflegedirektorin) und war hatte ihren Lebensschwerpunkt in Florida. Fachlich schien sie in diesen Bereichen „zu Hause“ gewesen zu sein: onkologische Pflege, psychiatrische Pflege sowie chirurgische und innere Intensivpflege.

Sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass der Mensch niemals auslernt. Von 1977 bis 1980 studierte Frau Kellnhauser an der Florida International University (Miami) Philosophie und schloss mit einem Bachelor of Arts ab. Einige Jahre darauf ergänzte sie diese Qualifikation um einen Master of Science in Erziehungswissenschaften, Schwerpunkt Erwachsenenbildung. Das war im Jahr 1985. Im Jahr darauf ging es zurück nach Deutschland, wo sie bis 1992 am Deutschen Krankenhausinstitut in Düsseldorf arbeitete und dort die wissenschaftliche und redaktionelle Leitung der Literaturdatenbank HECLINET übernahm.

Viele weitere Meilensteine säumten ihren Weg. So war sie zum Beispiel als Professorin für Pflegemanagement und Pflegepädagogik an der Katholischen Hochschule Mainz tätig. Dort war sie sogar Gründungsdekanin des pflegerischen Fachbereichs. Zum Dr. phil. wurde Frau Kellnhauser an der Universität Osnabrück (1993). Und das war der Titel ihrer Arbeit: Krankenpflegekammern und Professionalisierung der Pflege. Ein internationaler Vergleich mit Prüfung der Übertragbarkeit auf die Bundesrepublik Deutschland. Es war unter anderem dieses Werk, das sie in Deutschland zur Wegbereiterin professionalisierter Pflege machte.

Trotzdem sie ab 1999 emeritiert war, also in den wohlverdienten „Ruhestand“ ging, war sie weiterhin sehr aktiv auf ihren Gebieten. Vorträge, Fachkongresse und internationale Netzwerkarbeit, kommissions- und Gremienarbeit prägten ihren Alltag.

Auch brachte sie verschiedene Bücher heraus: Das Lehrbuch Thiemes Pflege (ab 2001) sowie  ihre Autobiographie Eine außergewöhnliche Pflegekarriere (2012). Und das war es wahrlich. Eine außergewöhnliche Pflegekarriere einer außergewöhnlichen Frau.

Frau Prof. Dr. Kellnhauser, wir ziehen unseren Hut vor Ihnen und bedanken uns für Ihre großartigen Arbeiten und Leistungen.
 

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