​Aus Flüchtlingen werden Fachkräfte

Neues von der WGfS

A.K. ist im letzten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger bei der Wohngemeinschaft für Senioren (WGfS) in Filderstadt. Er ist inzwischen verheiratet und hat eine Tochter. Der Algerier ist nicht der einzige Flüchtling, der seine Chance bei der WGfS genutzt hat.

Bilanz ziehen

Gut zwei Jahre nach den ersten Flüchtlingseinstellungen zieht WGfS-Chefin Rosemarie Amos-Ziegler Bilanz. Flüchtlinge oder „Einheimische“ auszubilden, mache für sie kaum einen Unterschied. „Auch bei anderen Auszubildenden weiß man nicht,  ob sie die Ausbildung beenden“, sagt sie zur Problematik der Asylentscheide, die bis heute maßgebend sind für das erfolgreiche Beenden einer Ausbildung.

Kein Abschluss für alle

Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen. Aktuell hat das Haus einen Auszubildenden, der sich im zweiten Ausbildungsjahr befindet und dem anscheinend fehlende Passdokumente zum Verhängnis werden: Geht es nach dem Ausländeramt, muss er seine Ausbildung abbrechen. „Solche Nachrichten erschüttern das Team natürlich“, sagt Amos-Ziegler. Die Kollegen sammeln intern Unterschriften, um gegen den Entscheid zu kämpfen. „Wir nehmen Kosten auf uns, um Flüchtlinge auszubilden und sie in die Gesellschaft zu integrieren.“, sagt Amos-Ziegler. Ihnen dann die Arbeitserlaubnis während eines Anstellungsverhältnisses zu entziehen, ist für sie unerklärlich.

Die WGfS ist Mulitkulti

Die meisten der Flüchtlinge kommen jedoch ohne Zwischenfälle durch die Ausbildung und die WGfS-Chefin freut sich über jeden, der dem Unternehmen nach der Ausbildung erhalten bleibt. Das Haus, das Mitarbeiter aus 38 Nationen beschäftigt, pflegt eine gute Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen und Mitarbeitern im Asylwesen, die die Flüchtlinge ermutigen, sich bei der WGfS zu bewerben. So beginnen jedes Jahr weitere Flüchtlinge ihre Ausbildung in Filderstadt.

Eine WG soll her

Ein Wermutstropfen ist die Wohnungssituation der Auszubildenden. Einige der Flüchtlinge wohnen immer noch in Sammelunterkünften, da sie schlicht keine Chance auf dem Wohnungsmarkt erhalten. Amos-Ziegler gibt alles, um dies bald zu ändern und möchte eine Wohnung mieten, die als WG für die Flüchtlinge dient.  Auch die Mitarbeiter versuchen, wo nur möglich, ihre Kollegen zu unterstützen und bieten falls nötig auch die eigene Wohnung als Schlafstätte an.

Ein Pate für jeden

Dass jeder Flüchtling einen Ausbildungspaten erhält, ist bereits Alltag. „Das sind oftmals selbst Azubis, die gerne ihr Wissen weitergeben“, freut sich Amos-Ziegler über das Engagement ihrer Mitarbeiter. Auch im privaten Bereich versuche der ein oder andere, dem neuen Kollegen unter die Arme zu greifen. „Wir helfen, wo wir können. Aber manchmal ist auch mein Alphabet am Ende“, sagt die WGfS-Chefin in Bezug auf die viele Bürokratie. Die Begleiter im Asylwesen würden die Auszubildenden aber gut unterstützen, sagt sie weiter. Die WGfS zieht in Summe eine positive Bilanz in Bezug auf die Integration von Flüchtlingen im Pflegebereich.


Haus Albblick der WGfS mit neuem Anbau

Text: Ronja Gysin 
Fotos: WGfS

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